Schilddrüse: Wenn der Taktgeber des Körpers aus dem Rhythmus gerät
Müde und frierend oder nervös und schwitzend? Wie Schilddrüsen-Unter- und -Überfunktion den ganzen Körper beeinflussen und wie sie behandelt werden.

Die Schilddrüse ist klein, schmetterlingsförmig und sitzt vorn am Hals – doch ihre Hormone beeinflussen fast jede Zelle des Körpers: Energieverbrauch, Herzschlag, Temperatur, Verdauung, Stimmung, Haut und Haare. Schilddrüsenerkrankungen sind sehr häufig, besonders bei Frauen. Die meisten lassen sich gut erkennen und behandeln.
Unterfunktion: wenn alles langsamer wird
Bei einer Unterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone. Typisch sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung, Verstopfung, trockene Haut, brüchige Haare, Konzentrationsschwäche und gedrückte Stimmung.
Häufigste Ursache in Deutschland ist eine chronische Autoimmunentzündung der Schilddrüse, die Hashimoto-Thyreoiditis. Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend und werden lange anderen Ursachen zugeschrieben.
Überfunktion: wenn der Motor überdreht
Bei einer Überfunktion entstehen zu viele Hormone. Das zeigt sich durch Herzrasen, innere Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen, Zittern, Schwitzen, Wärmeempfindlichkeit, Gewichtsverlust trotz Appetit und häufigen Stuhlgang.
Ursachen sind vor allem eine Autoimmunerkrankung namens Morbus Basedow, die auch die Augen betreffen kann, oder Knoten, die unkontrolliert Hormone bilden.
Knoten und Vergrößerung
Knoten in der Schilddrüse sind sehr häufig und meist gutartig. Sie werden oft zufällig im Ultraschall entdeckt. Größere Knoten oder eine vergrößerte Schilddrüse können ein Druckgefühl am Hals oder Schluckbeschwerden verursachen.
Ob ein Knoten weiter untersucht werden muss, hängt von Größe, Ultraschallmerkmalen und Hormonwerten ab. Ein harter, schnell wachsender Knoten oder anhaltende Heiserkeit sollten zügig abgeklärt werden.
Diagnose und Behandlung
Ein Bluttest auf das steuernde Hormon TSH ist der wichtigste erste Schritt; je nach Ergebnis folgen weitere Hormon- und Antikörperwerte sowie ein Ultraschall.
Eine Unterfunktion wird meist mit einem Hormonersatz behandelt, der täglich eingenommen und anhand der Blutwerte eingestellt wird. Bei einer Überfunktion kommen Medikamente, die die Hormonbildung bremsen, eine Radiojodtherapie oder eine Operation infrage. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, besonders bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft.
Jod: so viel wie nötig
Die Schilddrüse braucht Jod, um Hormone zu bilden. Jodsalz, Seefisch und Milchprodukte tragen zur Versorgung bei. Hochdosierte Jodpräparate oder Algenprodukte sollten dagegen nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden, besonders bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen.
Zusammenfassung
Die Schilddrüse steuert den Stoffwechsel des ganzen Körpers. Eine Unterfunktion macht müde, kälteempfindlich und träge, eine Überfunktion unruhig, schwitzig und schnell. Ein einfacher Bluttest gibt erste Klarheit, und beide Formen lassen sich gut behandeln.
Häufige Fragen
Sie kann zu einer moderaten Gewichtszunahme führen, oft auch durch Wassereinlagerungen. Mit guter Einstellung normalisiert sich das häufig.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachperson.
Weiterführende Artikel

Erektionsstörungen: Ursachen verstehen, Therapie finden
Durchblutung, Hormone, Psyche, Lebensstil: Was hinter Erektionsstörungen stecken kann und welche Therapieformen es gibt – sachlich und ohne Tabu.
6 Min. Lesezeit
Den Arztbesuch vorbereiten: Was auf deinen Notizzettel gehört
Beschwerden, Medikamente und eigene Fragen: Mit einer kleinen Vorbereitung kannst du ein Gespräch besser für dich nutzen.
3 Min. Lesezeit
Blutdruck verstehen: Was die beiden Werte bedeuten
Oberer und unterer Wert, einzelne Messung und langfristiger Verlauf: Ein verständlicher Einstieg ohne Selbstdiagnose.
4 Min. Lesezeit